Verbotene Bücher billig zu haben

Die Tatsache, dass es hierzulande verbotene Bücher gibt, beisst sich heftig mit einem elementaren Satz in unserem Grundgesetz: Eine Zensur findet nicht statt. Die Zensur findet leider täglich statt. Immer wieder finden sich Richter, die bereit sind, das Grundgesetz zu ignorieren und Bücher und andere Publikationen zu verbieten. Solche fanden sich auch im Dritten Reich und in der DDR. Nun stellt sich die sehr interessante Frage, wie es mit dem Bezug solcher verbotenen Literatur über das Internet bestellt ist. Mache ich mich strafbar, wenn ich zum Beispiel das Buch 'Geheimgesellschaften' zufällig im Internet finde und auf die Festplatte lade? Bin ich ein Verbrecher, wenn ich dieses Buch vor 1997 erwarb und jetzt nichtsahnend auf dem Flohmarkt anbiete? Bin ich gar ein Verbrecher, wenn ich gestehe, dieses Buch gelesen zu haben, ganz so wie es in der DDR mit dem Empfang des RIAS oder Westfernsehens war?

Tatsächlich lässt sich dieses sehr, sehr brisante Buch leicht über das World Wide Web beziehen. Es war bis zum Verbot 1997 über den Ewert-Verlag zu beziehen und kostete 49,90 DM. Das Buch war ein Bestseller und wurde unter obskuren Umständen verboten. Der Autor Jan van Helsing versucht unter anderem zu beweisen, dass Geheimgesellschaften wie die Freimaurer, einige große Banken, die Rothschilds und der Vatikan Politik und Wirtschaft fest im Griff haben und dass der dritte Weltkrieg bereits geplant ist. Die Staatsanwaltschaft Mannheim vertrat die Ansicht, das Werk sei antisemitisch, viele Leute sehen das anders. Ist eine Schrift schon antisemitisch, wenn sie kriegstreiberische Aktivitäten der Familie Rothschild anprangert? Hier steht es gratis bereit:

www.vho.org/D/Geheim1/

Vorsicht! Unter vho.org findet man auch viele rechtsextreme Schriften u.a. zur Auschwitzlüge. Wir schreiben die url von 'Geheimgesellschaften' nicht als Hyperlink im Quellcode dieser Seite, da sonst bei den Blockwarten helle Freude aufkäme - das wollen wir ihnen doch nicht gönnen. Seit den Urteilen gegen AOL und Compuserve können Provider und Web-Verlage, ja sogar die Autoren privater Webseiten für den Inhalt gelinkter Seiten verantwortlich gemacht werden. Das ist der Beginn der Zensur des World Wide Web. Wir fordern auch nicht dazu auf, diese Bücher herunterzuladen oder zu lesen, sondern wir berichten darüber. Es sieht so aus, als mache es im Webzeitalter keinen Sinn mehr, Bücher zu verbieten. Fast alle verbotenen Bücher stehen im Internet zur Verfügung, was den Demagogen in totalitären Staaten heftig Sorgen bereitet.

Interessant ist, dass keine staatliche Stelle eine Liste der in Deutschland verbotenen Bücher zur Verfügung stellt. Ruft man bei der Kriminalpolizei an und fragt nach dieser Liste, weiss dort niemand etwas. Beim Staatsschutzdezernat räumt man immerhin ein, dass es in diesem unserem Land verbotene Bücher gibt, doch man hält sich nicht für befugt, die Liste herauszurücken. Wir meinen, dass es keine verbotenen Bücher geben sollte, da die Meinungsfreiheit in einer freiheitlichen Demokratie ein hohes Gut ist. Nur in Diktaturen und Polizeistaaten gibt es sogenannte Meinungsdelikte. Leider wird im Juristendeutsch dieser Terminus immer öfter benutzt.

Juristen können furchtbar kurzsichtig sein. Man machte mit dem Verbot von 'Geheimgesellschaften' einen kapitalen Fehler. Der Autor wurde so zum Märtyrer und Guru Tausender, die sich in mehreren Internet-Foren täglich über die Thesen und 'Wahrheiten' van Helsings austauschen. Seltsamerweise werden diese Foren nicht zensiert oder verboten. Rushdies 'Satanische Verse' sind in allen islamischen Staaten verboten, Bücher der Dissidenten in Rotchina (es droht die Todesstrafe) und bei uns die 'Geheimgesellschaften'. Wie frei sind wir?